Kontrafaktisches Afrika

africasanscolonizationKontrafaktische Geschichtsschreibung wird von den meisten Historikern nicht als wirklich seriöse Methode anerkannt, da die Möglichkeit der Falsifizierbarkeit nicht gegeben ist.

Die Frage nach einem „Was wäre wenn?“ kann aber besonders in didaktischen und pädagogischen Zusammenhängen erhellend wirken und einem deterministischen und teleologischen Geschichtsbild entgegenwirken.

In diese Sparte fällt auch eine gerade in der Washington Post publizierte Karte Afrikas, welche die Dinge sprichwörtlich auf den Kopf stellt und dabei helfen kann, einen gewissen Teil der Konflikte und Probleme, die durch die Kolonisierung entstanden sind, zu hinterfragen.

Auf Basis von politischen, ethnischen und linguistischen Studien zeichnete der schwedische Künstler Nikolaj Cyon eine Karte Afrikas, wie sie sich aus den Verhältnissen, die um 1844 vorlagen, hätten entwickeln können.

Ungewiss bleibt dabei, welche der vielfältigen ethnischen und linguistischen Gruppen 1844 tatsächlich jene Ausbreitung hatten. Unwahrscheinlich ist auch, dass alle dieser Gruppen, Staaten nach Westfälischem System mit klar definierten Territorien gebildet hätten.

Zum Vergleich der Ikonografie eine 1885 (direkt nach der Kongokonferenz) Herausgegebene Karte, in der die jeweiligen europäischen Ansprüche farbig markiert wurden.
Zum Vergleich der Ikonografie eine 1885 (direkt nach der Kongokonferenz) Herausgegebene Karte, in der die jeweiligen europäischen Ansprüche farbig markiert wurden.

Dennoch ist die Karte ein gutes Beispiel für gelungene kontrafaktische Geschichtsschreibung. Sie bedient sich der ikonographischen Ästhetik der politischen Karten des 19. Jahrhunderts und beginnenden 20. Jahrhunderts – und dreht sie auf den Kopf. Diese Verfremdung kulturell gelernter Perspektiven kann dabei helfen, jene wirkmächtigen Bilder zu dekonstruieren, die durch Karten vermittelt wurden und noch heute ein Bild des prä-kolonialen Afrikas zeichnen, das durch das Vorhandensein von großen „weißen Flecken“ geradezu auf die Entdeckung und Kolonisierung wartete.

Die Zusammenstellung der Washington Post ist insgesamt sehr wertvoll und bekommt ein dringendes Lesezeichen.

 

Historischer Atlas: Wie weit kommt man mit einer Tagesreise ab New York?

Die Moderne ist eine Zeit der massiven Beschleunigung. Wir erleben seit den 1990er Jahren eine enorme Beschleunigung der Kommunikation, mithilfe derer wir in Echtzeit mit Menschen überall auf der Welt schreiben, telefonieren oder videotelefonieren können.

Die Beschleunigung und Veränderung der Mobilität wird heutzutage als beinahe selbstverständlich betrachtet. Dabei hilft es die Perspektive manchmal zu erweitern. Strecken, die früher Tage, Wochen oder Monate gedauert haben, brauchen heute mit dem geeigneten Verkehrsmittel nur noch wenige Stunden.

In einem digitalisierten historischen Weltaltlas, lässt sich nachvollziehen, wie weit man innerhalb einer Tagesreise ab New York gekommen ist.

Quartz hat daraus eine leicht verständliche Karte gestaltet:

 

timetravelto_nyc

Quelle


Der digitalisierte Atlas ist aber mehr als nur diesen einen Blick wert. Es gibt nicht nur einfach Digitalisate zu betrachten, der Atlas lässt sich vielmehr interaktiv bedienen. So können Entwicklungen im Zeitverlauf auch animiert betrachtet werden. Zudem gibt es eine gute Einleitung zu dieser digitalen Ausgabe des historischen Atlas der USA:

historischer_atlas

Quelle

 

 

Historisches Wissen von Jugendlichen

 Später Sieg der Diktaturen? Zeitgeschichtliche Kenntnisse und Urteile von Jugendlichen
„Später Sieg der Diktaturen? Zeitgeschichtliche Kenntnisse und Urteile von Jugendlichen“ von Schroeder, Klaus/Deutz-Schroeder, Monika/Quasten, Rita/Schulze Heuling, Dagmar

So erschreckend einige Ergebnisse der Studie „Später Sieg der Diktaturen? Zeitgeschichtliche Kenntnisse und Urteile von Jugendlichen“ des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin auch sein mögen, sie sollten bei Bildungsträgern vor allem einen Denkzettel hinterlassen. Über das fehlende historische Wissen bei Schülern wird aktuell unter anderem in der Zeit berichtet und ich fürchte bereits die Kommentare, die den Jugendlichen und jungen Erwachsenen unterstellen, desinteressiert und politikverdrossen zu sein.

Auf zweierlei möchte ich im Zusammenhang mit den Studienergebnissen hinweisen:

1. Auf die Bedeutung von Gedenkstättenbesuchen. Hier zeigt die Studie insbesondere wie entscheidend eine Kontextualisierung des jeweiligen Besuchs im Unterricht ist, was leider zu oft vernachlässigt wird. Eine Vorbereitung auf einen Gedenkstättenbesuch ist eine Notwendigkeit, die den Zwängen der Lehrpläne übergeordnet werden muss.

2. Auf die hohe Bedeutung des Mediums Internet zur Aneignung historischen Wissens. Auf die Frage „Woher beziehen Sie Ihr Geschichtswissen überwiegend?“ antworteten 82,2 % der Befragten wenig verblüffender Weise mit „aus dem Schulunterricht“. Etwas abgeschlagen auf dem zweiten Platz folgt mit 36,3 % „aus Gesprächen mit Eltern / Verwandten“. Den dritten Platz belegt mit 34,9 %  „aus dem Internet“. Erst auf den darauffolgenden Plätzen kommen „aus dem Kino / TV“, „aus Büchern“ usw.

Erstaunlich wiederum finde ich, dass aus diesen Ergebnissen nicht der Schluss gezogen wird, dass Angebote zur Aneignung historischen Wissens im Internet unbedingt verstärkt gehören.

Natürlich ist es ein positives Zeichen, dass

der Vermittlung zeitgeschichtlicher Kenntnisse und Zusammenhänge
in der Schule […] bezogen auf die jüngste Vergangenheit eine Ergänzungs- und auch Korrektivfunktion gegenüber Familienerzählungen zu[kommt]

Und selbstverständlich ist der Schulunterricht das wichtigste „Instrument“ der Vermittlung historischen Wissens – auch als Korrektiv zu idealisierenden Familiennarrativen.

Dennoch finde ich die Ignoranz gegenüber dem Internet, das das Potenzial in sich birgt Schüler (um in die Floskelkiste zu greifen) dort abzuholen, wo sie sich aktuell befinden, sehr bedauerlich.

twhistory.org oder: Geschichtsvermittlung mit Twitter

Screenshot twhistory.org
Screenshot twhistory.org

Unlängst stieß ich auf eine sehr interessante Form der Geschichtsvermittlung im Internet. Das „Re-enactment“ (Nachspielen) eines historischen Ereignisses durch „Tweets“ (140-Zeichen lange Statusupdates auf Twitter) auf http://www.twhistory.org/.

Bisher habe ich mich mit der Möglichkeit Twitter zur Darstellung historischer Ereignisse zu nutzen noch nicht beschäftigt und bin nur zufällig durch einen Blogeintrag des Kollegen Jan Hodel darauf gestoßen. Seinen Anmerkungen zum Umgang mit Twitter als Medium zur Geschichtsvermittlung ist dabei nichts hinzuzufügen.

Hervorheben möchte ich allerdings die Frage:

Wollen wir das: Geschichte als atemloses “dann geschah das, dann geschah das” einer Chronik, die in endloser Reihe Kriegshandlungen und Tötungsakte, Leid und Menschenverachtung darstellt?

Denn das ist meines Erachtens der Kern des Problems von Twitter als Medium zur Geschichtsvermittlung. (Im Zitat bezieht sich Hodel allerdings auf ein ganz spezielles Projekt eines jungen britischen Historikers, der den Zweiten Weltkrieg nachtwittern will – ein höchst zweifelhaftes Vorhaben.)

Doch zurück zur ausgehenden Frage: Wollen wir zurück zur Chronik, die eine wirkliche Einordnung durch vermeintliche Detailtreue vermissen lässt?

Geschichtsschreibung und -vermittlung sind nicht von Geschichtsdeutung und damit von Geschichtspolitik zu trennen. Wer behauptet „nur die Fakten“ nachzuerzählen, unterschlägt, dass bereits die Auswahl jener Fakten durch ein bestimmtes (politisch) geprägtes Geschichtsbild gefiltert wurde. Die Verkürzung einer Darstellung historischer Ereignisse durch ein vermeintliches Echtzeit-Nacherzählen in jeweils 140 Zeichen zementiert auf diese Weise feste historische Narrative und versperrt den Blick auf alternative Perspektiven.

Dennoch: Ein Projekt wie twhistory.org steht als Projekt ja ganz offensichtlich nicht im luftleeren Raum, sondern soll ein Angebot sein für Lehrende, sich mit neuen Formen der Geschichtsvermittlung zu beschäftigen. Denn trotz der berechtigten Kritik verlieren Schüler und Studierende auf diese Weise vielleicht noch eher die Angst, sich mit Primärquellen zu beschäftigen, wie es die Eigenwerbung auf twhistory.org nahelegt:

Students learned to see primary sources as accessible, not scary.

Und das wäre ein schöner Erfolg.

Schattenkampf (Arte)

Schattenkampf (Screenshot)
Schattenkampf (Screenshot)

Dem deutsch-französischen Fernsehsender Arte ist mit dem Projekt Schattenkampf ein großer Wurf gelungen: Nicht nur die Dokumentation über den Widerstand gegen das Naziregime ist gelungen, auch der Versuch mit einem Cross-Media-Ansatz die heutigen Möglichkeiten von Geschichtsvermittlung im Internet zu nutzen, ist ein voller Erfolg.

Unter http://schattenkampf.arte.tv/ gibt es zunächst eine Einführung in das Thema Widerstand gegen das Naziregime als Video. Dann startet die Dokumentation mit den Interviews der Zeitzeugen.

Beeindruckende Zeugnisse des Widerstandes gegen den Naziterror sind auf diese Weise durch Zeitzeugen für jede_n zugänglich und für die Nachwelt konserviert. Zu allen Zeitzeugen gibt es kurze biografische Hinweise, die beim thematischen Quereinstieg helfen, die Interviews einzuordnen.

Denn der Zugang zu den einzelnen Interviewausschnitten erfolgt nicht zwangsläufig gradlinig in Form eines fortlaufenden Films, sondern kann darüber hinaus thematisch oder geografisch erfolgen.

Schattenkampf (Screenshot)
Schattenkampf: Biografische Informationen (Screenshot)

Unter der Überschrift Der Tag der Befreiung versammeln sich beispielsweise Eindrücke von Zeitzeugen über die Tage der Befreiung durch die Alliierten und die Rückkehr der Widerstandskämpfer in ihre jeweiligen Heimatstädte und -dörfer.

Hilfreich ist dabei, dass bereits gesehene Interviews und Themen entsprechend mit einer Banderole („gesehen“) markiert werden und so eine schnellere Navigation zulassen.

Das einzige Manko bleibt die Programmierung der kompletten Seite in Flash. Das mag zwar gut aussehen und funktioniert mit den meisten Rechnern und Browsern heutzutage, sperrt aber teilweise Internetnutzer aus, die auf barriefreie Webseiten angewiesen sind. Zudem wäre eine Videonavigation schön gewesen, die es erlaubt, vor- oder zurückzuspulen.

Fazit: Ein großartiges Projekt, das trotz Abzügen in der Barrierefreiheit großartig für die Anforderungen des Internets umgesetzt wurde.

Europäische Geschichte Online

Screenshot Europäische Geschichte Online
Screenshot Europäische Geschichte Online (Startseite)

Die Website Europäische Geschichte Onlineist ein Projekt der Leibniz Institut für Europäische Geschichte in Mainz.

Die große Stärke des Portals ist es die komplexe Geschichte Europas ab 1450 in einer übersichtlichen Weise darzustellen.

Als theoretische Folie dienen hier Forschungsperspektiven wie die transnationale Geschichte und die „entangled Histories“, die Geschichtsschreibung nicht aus einer nationalstaatlichen Perspektive betreiben, sondern auf die Prozesse der Verflechtung zwischen Gesellschaften verweisen.

In den FAQ heißt es dazu:

EGO konzentriert sich auf Prozesse von Kommunikation, Interaktion und Verflechtung. Im Zentrum stehen Transferprozesse, die über den individuellen, familiären oder lokalen Bereich hinausreichen und längerfristige Wirkung erlangen. Diese Transferprozesse verfolgt EGO unter anderem in und zwischen den Bereichen von Religion, Recht, Politik, Kunst, Musik, Literatur, Wirtschaft, Technik und Militär, Wissenschaften und Medizin.

Dazu wählten die Herausgeber eine Menüführung, die die Beiträge über ihre Zuordnung zu einem Jahrhundert (Zeit), einem geographischen Ort (Raum) und über das jeweilige Thema auflisten.

Screenshot Europäische Geschichte Online (Menüsuche)
Screenshot Europäische Geschichte Online (Menüsuche)

Obwohl diese Menüführung einleuchtend ist, hakt es doch an der Umsetzung, denn die Auswahl eines Untermenüpunktes führt nicht etwa zu einer übersichtlich strukturierten Seite, sondern zu einer Gesamtliste aller Beiträge, die in irgendeiner Form dem jeweiligen Menüpunkt zugeordnet wurden. Das wiederum ist kontraproduktiv, denn warum sollte ich mich durch hunderte Suchergebnisse klicken, wenn ich doch eigentlich nichts gesucht, sondern einen Menüpunkt aufgerufen habe?

Warum die Menüs nicht in ähnlicher Weise strukturiert sind, wie die gut aussehende und intuitiv nutzbare Startseite erschließt sich mir jedenfalls nicht.

Dennoch: Die Beiträge zu den einzelnen Themen sind durchweg von hoher Qualität und werden durch interne Verlinkung, einer Zusammenfassung zu „Threads“ also thematisch zusammengehörenden Beiträgen und zahlreichen Medienbeigaben (hauptsächlich Bildern) den Anforderungen des Internets weitgehend gerecht.

Wie docupedia wendet sich auch Europäische Geschichte Online an ein bereits wissenschaftlich interessiertes Publikum und bietet damit eine Ergänzung zu fachwissenschaftlichen Veröffentlichungen in Büchern und Zeitschriften.

Es wäre aber schön zu sehen (und an der Zeit), wenn es weitere Initiativen gäbe, die Themen und Inhalte der Geschichtswissenschaft mit einem breite(re)n Publikum diskutieren.

Heidelberger Universität richtet die erste Professur für „Angewandte Geschichtswissenschaft“ ein

An der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg wird zum Wintersemester 2012 die erste deutsche Professur für „Angewandte Geschichtswissenschaft – Public History“ eingerichtet.(c) Universität Heidelberg - Kommunikation und Marketing
An der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg wird zum Wintersemester 2012 die erste deutsche Professur für „Angewandte Geschichtswissenschaft – Public History“ eingerichtet. Bild (c) Universität Heidelberg – Kommunikation und Marketing

Irgendwann im Laufe meines Studiums der Geschichtswissenschaft stellte ich in Gesprächen mit Freunden und Bekannten fest, wie wenig dessen, was in der historischen Forschung diskutiert wird, eigentlich in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.

Das ist auf der einen Seite verständlich, denn die Ausdifferenzierung der Forschung führt zu kleinteiligen Untersuchungen, deren Publikum mit einer „handvoll Wissenschaftler“ vermutlich schon zu hoch veranschlagt ist. Auf der anderen Seite wundert man sich als Historiker doch über die fehlende Präsenz von Geschichte und Geschichtswissenschaft im medialen Mainstream – abseits von Guido Knopp.

Dass dieser Umstand bedauerlich ist, leuchtet jedem Historiker ein, der sich nicht im Elfenbeinturm eingeschlossen und die Tür verriegelt hat.

Doch bisher gab es kaum Initiativen um diesen Umstand zu beheben – was sicher mit der latenten Medienfeindlichkeit (wer einmal in einer Talkshow saß, hat seinen guten Ruf verdorben) der scientific Community zu tun hatte.

Daher ist es umso erfreulicher, dass Ansätze, die – mal wieder – aus der anglophonen Geschichtswissenschaft nach Deutschland kommen, langsam Gehör finden. Hier handelt es sich um die „Public History“ bzw. „Angewandte Geschichtswissenschaft“. Dass diese Ansätze durchaus Gefahren bergen (Kommerzialisierung der Geschichtswissenschaft und eine allgemeine argumentative Verkürzung) soll nicht davon ablenken, dass mithilfe einer Geschichtswissenschaft, die sich ganz bewusst an die Öffentlichkeit wendet, wenigstens die Grundlage eines Dialoges zwischen Wissenschaft und Gesellschaft geschaffen ist.

In der FAZ gab es nun, anlässlich der ersten deutschen Professur für „Angewandte Geschichtswissenschaft – Public History“, vor ein paar Tagen einen Artikel zum Thema und auch auf Docupedia werden die neuen Ansätze diskutiert.

“Geschichte im Internet”

Screenshot "Geschichte im Internet"Habt ihr bei Google schon mal den Suchbegriff “Geschichte im Internet” eingegeben? Noch nicht? Es erscheint auf Platz eine Seite, die eine Linksammlung verspricht und den Titel “Geschichte im Internet” trägt:

Das Verzeichnis „Geschichte im Internet“ wurde Anfang 1995 von Stephanie Marra gegründet. Gegenwärtig befindet sich das Angebot auf dem Webserver der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Dortmund. Es handelt sich um den ältesten geschichtswissenschaftlichen Webkatalog im deutschsprachigen Raum, der bis heute kontinuierlich gepflegt und ausgebaut wird. 2001 erfolgte die Umstellung des Katalogs auf ein datenbankbasierendes Redaktionssystem.

Aha. Vielleicht hätte man sich die Umstellung auf die Datenbank sparen sollen, denn es gibt offensichtlich einen Datenbankfehler. Jeder einzelne externe Link führt zu einem Fehler.

Screenshot "Geschichte im Internet" - Fehlermeldung

Ein treffenderes Beispiel für die stiefmütterliche Behandlung des “WorldWideWebs” durch Universitäten, Behörden und historische Institute kann man sich kaum ausdenken. Da vegetiert also eine gewaltige Linksammlung vermutlich auf dem Stand von 2001 vor sich hin und niemand kümmert sich drum.

Das schlimme daran ist: Irgendwann in gar nicht so ferner Zukunft werden solche Institutionen in übersteigertem Aktionismus versuchen das Onlinevakuum zu füllen in dem sie viel Sinnloses machen und dafür viel Geld ausgeben. Anstatt sich schrittweise den technischen Möglichkeiten und den Bedürfnissen der Nutzer anzupassen.

annefrank.org

Ein Beispiel für eine wirklich gelungene Webseite mit historischem Hintergrund ist die Seite der Anne Frank Stichting: annefrank.org.

Neben praktischen Informationen zum Museum in Amsterdam und weiterführenden Informationen zur Arbeit der Stiftung sind es vor allem die fundierten und gut aufbereiteten Informationen zu Anne Franks Geschichte, die einen überzeugenden Eindruck der Webseite hinterlassen. Hier zeigt sich welche Möglichkeiten Geschichtsvermittlung im Internet hat – und wie sie auf viel zu vielen Seiten ungenutzt bleiben.

Screenshot annefrank.org
Screenshot „Zeitleiste“ auf annefrank.org

Großartig umgesetzt ist beispielsweise die in sieben Sprachen verfügbare Zeitleiste, in der vorbildlich die Geschichte der Familie Frank mit jener Mitteleuropas verbunden wird.
Interaktive Elemente laden dazu ein, auf Entdeckungstour zu gehen und helfen dabei, das bestehende Wissen zu kontextualisieren.

Screenshot annefrank.org
Screenshot „Hinterhaus Online“ auf annefrank.org

Einen ähnlichen Weg, der noch stärker auf die Interaktion mit den Nutzern setzt, ist das Hinterhaus Online. In einem 3D-Modell des rekonstruierten Hauses können die Nutzer die eingerichteten Räume des Verstecks der Familie Frank erkunden. Ein einführendes Video informiert zunächst über die Gründe für die Flucht und das Versteck und dann kann der Weg durch den Bücherschrank direkt in das Haus gewählt werden.

Im Innern können sich die Nutzer frei durch die engen Räume bewegen. Symbole zeigen weitere Informationen an. Kurze Filme sollen den Alltag Annes und ihrer Familie deutlich machen.

Dieser virtuelle Rundgang zeigt, wie gut neue Medien zur Geschichtsvermittlung eingesetzt werden können und ist in diesem Sinne vorbildlich.

Darüber hinaus beweist auch die intuitive Menüführung und das aufgeräumte Design, dass annefrank.org Maßstäbe für die Onlinepräsenz von Museen setzt.

Völlig zurecht gewann die Webseite daher 2010 den Webby Award in der Kategorie “Best Cultural Institution”.

Ein sehr interessanter Teil der Webseite ist die Kategorie Inspiration, in der die Nutzer sich mit den Facebook- und Youtube-Seiten des Museums verbinden, Spenden an das Museum entrichten und auf kreative Art mit ihren Eindrücken umgehen können.

So gibt es die Möglichkeit seinen Gefühlen durch ein Bild oder ein Text Ausdruck zu verleihen oder sich am Anne Frank Baum zu verewigen.

Screenshot annefrank.org
Screenshot „Anne Frank Baum“ auf annefrank.org

Die Geschichte der Familie Frank lädt schon seit der Veröffentlichung des Tagebuchs der Anne Frank Menschen dazu ein, sich mit Verfolgung, Ausgrenzung, Antisemitismus und Faschismus zu beschäftigen. Die Webseite der Anne Frank Stiftung macht auf vorbildliche Weise deutlich, wie das auch mithilfe der neuen Medien funktioniert.

Fazit: Diese Seite setzt Maßstäbe.

Docupedia

Docupedia Zeitgeschichte

ist ein Nachschlagewerk zu zentralen Begriffen, Konzepten, Forschungsrichtungen und Methoden der zeithistorischen Forschung. Vorgestellt wird das Spektrum der in der zeithistorischen Forschung behandelten Themen und der damit verbundenen methodischen Fragen und Zugriffe. Dokumentiert werden Debatten, von denen Impulse für Forschungspraxis und Selbstverständnis des Faches ausgegangen sind. Dabei bezieht Docupedia-Zeitgeschichte auch theoretische Ansätze aus benachbarten Disziplinen mit ein.

heißt es in der  Selbstdarstellung der Seite.

Die Seite bietet für viele zeitgeschichtliche Themen einen eleganten Einstieg und fundierte Informationen zu aktuellen Forschungsthemen. Bereits jetzt, 3 Jahre nach dem Launch der Seite, konnten zahlreiche Historiker als Autoren gewonnen werden, so dass sich für Studenten der Geschichte eine echte Alternative zur Wikipedia-Nutzung am Horizont zeigt, das die Anforderungen zitierfähiger Quellen aus dem Internet erfüllt. Docupedia weiterlesen