Schattenkampf (Arte)

Schattenkampf (Screenshot)
Schattenkampf (Screenshot)

Dem deutsch-französischen Fernsehsender Arte ist mit dem Projekt Schattenkampf ein großer Wurf gelungen: Nicht nur die Dokumentation über den Widerstand gegen das Naziregime ist gelungen, auch der Versuch mit einem Cross-Media-Ansatz die heutigen Möglichkeiten von Geschichtsvermittlung im Internet zu nutzen, ist ein voller Erfolg.

Unter http://schattenkampf.arte.tv/ gibt es zunächst eine Einführung in das Thema Widerstand gegen das Naziregime als Video. Dann startet die Dokumentation mit den Interviews der Zeitzeugen.

Beeindruckende Zeugnisse des Widerstandes gegen den Naziterror sind auf diese Weise durch Zeitzeugen für jede_n zugänglich und für die Nachwelt konserviert. Zu allen Zeitzeugen gibt es kurze biografische Hinweise, die beim thematischen Quereinstieg helfen, die Interviews einzuordnen.

Denn der Zugang zu den einzelnen Interviewausschnitten erfolgt nicht zwangsläufig gradlinig in Form eines fortlaufenden Films, sondern kann darüber hinaus thematisch oder geografisch erfolgen.

Schattenkampf (Screenshot)
Schattenkampf: Biografische Informationen (Screenshot)

Unter der Überschrift Der Tag der Befreiung versammeln sich beispielsweise Eindrücke von Zeitzeugen über die Tage der Befreiung durch die Alliierten und die Rückkehr der Widerstandskämpfer in ihre jeweiligen Heimatstädte und -dörfer.

Hilfreich ist dabei, dass bereits gesehene Interviews und Themen entsprechend mit einer Banderole („gesehen“) markiert werden und so eine schnellere Navigation zulassen.

Das einzige Manko bleibt die Programmierung der kompletten Seite in Flash. Das mag zwar gut aussehen und funktioniert mit den meisten Rechnern und Browsern heutzutage, sperrt aber teilweise Internetnutzer aus, die auf barriefreie Webseiten angewiesen sind. Zudem wäre eine Videonavigation schön gewesen, die es erlaubt, vor- oder zurückzuspulen.

Fazit: Ein großartiges Projekt, das trotz Abzügen in der Barrierefreiheit großartig für die Anforderungen des Internets umgesetzt wurde.

Widerstand und Widerstreit

Seit einigen Tagen mache ich mir Gedanken über den Ort – die Handlungsperspektiven – von Widerstand in Lyotards Philosophie des Widerstreits. Ausgehend von einem Gespräch, das ich mit einigen Kommilitonen nach dem Seminar führten, wollte ich eine These in den Raum stellen, die sich um eben jene Handlungsperspektiven des Widerstandes dreht.

Wie ist Widerstand denkbar?
Widerstand muss den Widerstreit zum Ausdruck bringen. In einer (zb. politischen oder sozialen) Diskursart sind bestimmte Dinge nicht sagbar, die aber danach drängen gesagt zu werden. Kapitalismus als Regelsystem des ökonomischen Diskurses, lässt beispielsweise keine Sätze zu, die sich dem ökonomischen Diskurs entziehen. Das ist der Widerstreit. Widerstand gegen die diskursive Formation der Ökonomie findet aber dennoch innerhalb eben dieser statt (beispielsweise durch Aneignung der Produktionsmittel durch die Proletarier).
An dieser Stelle muss der Einwand erfolgen: Widerstand kann nicht als aktive Opposition zu gegebenen Umständen gedacht werden. Jedes Einlassen auf die Diskursart verknüpft die Sätze auf die gleiche Art weiter, „legitimiert“ somit den Diskurs und stabilisiert ihn. Widerstand und Fundamentalkritik dürfen sich also nicht auf diskursimmanente Positionen beziehen, sie dürfen den Diskurs nicht fortführen.
Was aber, wenn ein Diskurs eine Quasi-Hegemoniale Stellung (in einer Gesellschaft) einnimmt (wie das im ökonomischen Diskurs der Fall ist). Wie lässt sich Widerstand nach Lyotard dann überhaupt denken. Wo sind die Ansatzpunkte?
Meine These lautet dazu: einzig und allein in der Totalverweigerung.
Der Begriff Totalverweigerung stammt aus einer Situation des Widerstreits. Die Totalverweigerung beschreibt die totale Verweigerung des Kriegsdienstes, also nicht die Verweigerung des Kriegsdienstes aus Gewissensgründen (Zivildienst) sondern die Nicht-Anerkennung der Wehrpflicht und der damit einhergehenden Dienstpflicht jedes männlichen und wehrtauglichen Bürgers der Bundesrepublik. (Siehe auch Lyotards Ausführungen zur „Verpflichtung“)
Im Diskurs des Wehrdienstes, der aus der Konstitution der bundesrepublikanischen Gemeinschaft rührt, ist diese Verweigerung nicht denkbar. Sie ist strafbar und wird so in einen Rechtsstreit überführt.
Sie ist aber die einzige wirksame Waffe dem Wehrdienst seine gesellschaftliche Legitimation zu nehmen. Eine Verweigerung aus Gewissensgründen, der zivile Ersatzdienst verpufft als individueller Gewissensbiss. Die totale Kriegsdienstverweigerung macht auf den Widerstreit aufmerksam und führt ihn in aller Deutlichkeit vor die Augen der Gesellschaft.
Bezugnehmend auf die kommenden Protestaktionen und den Widerstand gegen die Ökonomisierung der Geistes- und Sozialwissenschaften lässt sich meines Erachtens folgendes festhalten:
Jedweder Protest, jeder aktiver Widerstand gegen die derzeitige Mittelvergabe der Universität führt zwangsläufig zur Legitimierung eben jener Ökonomisierung die Angegriffen wird. Wenn man Lyotards Argumentation folgt gibt es keinen anderen Ansatzpunkt des Widerstandes innerhalb eines Diskurssystems als die Verweigerung, das Schweigen. Nur so ließe sich auf einen bestehenden Widerstreit aufmerksam machen, nur so wird der Satz des Widerstands nicht durch pervertierende Sätze anderer Diskursarten verknüpft.