Christa Goetsch über die Aufarbeitung des „kolonialen Erbes“ in Hamburg

Christa Goetsch sprach am 22.01.2015 in der Hamburgischen Bürgerschaft über die Aufarbeitung des (post-)kolonialen Erbes, welche einen „langen Atem“ und „Durchhaltevermögen“ benötige.

Kritzeleien in Mittelalterlichen Handschriften

Erik Kwakkel (nebenbei bemerkt: was für ein toller Nachname) erforscht Kritzeleien in mittelalterlichen Handschriften.

Sein tumblr-Blog ist so voll von Skurrilitäten, Niedlichkeiten und Fantastischem, dass ich gar nicht aufhören konnte, darin zu lesen.

Starkes Stück!

(Artikelbild von Erik Kwakkel. Im Original: Paris, Bibliothèque Sainte-Geneviève, MS 95 (Missal, 12th century).)

Kontrafaktisches Afrika

africasanscolonizationKontrafaktische Geschichtsschreibung wird von den meisten Historikern nicht als wirklich seriöse Methode anerkannt, da die Möglichkeit der Falsifizierbarkeit nicht gegeben ist.

Die Frage nach einem „Was wäre wenn?“ kann aber besonders in didaktischen und pädagogischen Zusammenhängen erhellend wirken und einem deterministischen und teleologischen Geschichtsbild entgegenwirken.

In diese Sparte fällt auch eine gerade in der Washington Post publizierte Karte Afrikas, welche die Dinge sprichwörtlich auf den Kopf stellt und dabei helfen kann, einen gewissen Teil der Konflikte und Probleme, die durch die Kolonisierung entstanden sind, zu hinterfragen.

Auf Basis von politischen, ethnischen und linguistischen Studien zeichnete der schwedische Künstler Nikolaj Cyon eine Karte Afrikas, wie sie sich aus den Verhältnissen, die um 1844 vorlagen, hätten entwickeln können.

Ungewiss bleibt dabei, welche der vielfältigen ethnischen und linguistischen Gruppen 1844 tatsächlich jene Ausbreitung hatten. Unwahrscheinlich ist auch, dass alle dieser Gruppen, Staaten nach Westfälischem System mit klar definierten Territorien gebildet hätten.

Zum Vergleich der Ikonografie eine 1885 (direkt nach der Kongokonferenz) Herausgegebene Karte, in der die jeweiligen europäischen Ansprüche farbig markiert wurden.
Zum Vergleich der Ikonografie eine 1885 (direkt nach der Kongokonferenz) Herausgegebene Karte, in der die jeweiligen europäischen Ansprüche farbig markiert wurden.

Dennoch ist die Karte ein gutes Beispiel für gelungene kontrafaktische Geschichtsschreibung. Sie bedient sich der ikonographischen Ästhetik der politischen Karten des 19. Jahrhunderts und beginnenden 20. Jahrhunderts – und dreht sie auf den Kopf. Diese Verfremdung kulturell gelernter Perspektiven kann dabei helfen, jene wirkmächtigen Bilder zu dekonstruieren, die durch Karten vermittelt wurden und noch heute ein Bild des prä-kolonialen Afrikas zeichnen, das durch das Vorhandensein von großen „weißen Flecken“ geradezu auf die Entdeckung und Kolonisierung wartete.

Die Zusammenstellung der Washington Post ist insgesamt sehr wertvoll und bekommt ein dringendes Lesezeichen.