Globalgeschichte im Harvard Magazine

Das Harvard Magazine beschäftigt sich in seiner aktuellen Ausgabe mit den veränderten Perspektiven der Geschichtswissenschaft.

Global history is “the kind of idea that, once you have it, is impossible to go back from,” Beckert continues. “You can’t. It’s going to be with you forever because it’s just a different way of seeing history.” While it opens new questions, it “also opens up totally new understandings of particular historical problems such as the problem of slavery. You understand, on a global scale, that the global problem, from the perspective of European colonialists and European entrepreneurs, is really how to transform the countryside. The resulting transformation takes different forms in different parts of the world, but sometimes it’s also quite similar. After the Civil War, for example, sharecropping becomes dominant in the United States, but it’s also important in Egypt, Mexico, Brazil, and other parts of the world. People in these places learn from one another. They observe one another.”

http://harvardmagazine.com/2014/11/the-new-histories

Kritzeleien in Mittelalterlichen Handschriften

Erik Kwakkel (nebenbei bemerkt: was für ein toller Nachname) erforscht Kritzeleien in mittelalterlichen Handschriften.

Sein tumblr-Blog ist so voll von Skurrilitäten, Niedlichkeiten und Fantastischem, dass ich gar nicht aufhören konnte, darin zu lesen.

Starkes Stück!

(Artikelbild von Erik Kwakkel. Im Original: Paris, Bibliothèque Sainte-Geneviève, MS 95 (Missal, 12th century).)

Historischer Atlas: Wie weit kommt man mit einer Tagesreise ab New York?

Die Moderne ist eine Zeit der massiven Beschleunigung. Wir erleben seit den 1990er Jahren eine enorme Beschleunigung der Kommunikation, mithilfe derer wir in Echtzeit mit Menschen überall auf der Welt schreiben, telefonieren oder videotelefonieren können.

Die Beschleunigung und Veränderung der Mobilität wird heutzutage als beinahe selbstverständlich betrachtet. Dabei hilft es die Perspektive manchmal zu erweitern. Strecken, die früher Tage, Wochen oder Monate gedauert haben, brauchen heute mit dem geeigneten Verkehrsmittel nur noch wenige Stunden.

In einem digitalisierten historischen Weltaltlas, lässt sich nachvollziehen, wie weit man innerhalb einer Tagesreise ab New York gekommen ist.

Quartz hat daraus eine leicht verständliche Karte gestaltet:

 

timetravelto_nyc

Quelle


Der digitalisierte Atlas ist aber mehr als nur diesen einen Blick wert. Es gibt nicht nur einfach Digitalisate zu betrachten, der Atlas lässt sich vielmehr interaktiv bedienen. So können Entwicklungen im Zeitverlauf auch animiert betrachtet werden. Zudem gibt es eine gute Einleitung zu dieser digitalen Ausgabe des historischen Atlas der USA:

historischer_atlas

Quelle

 

 

Sklaverei: Karibische Staaten verklagen ehemalige Kolonialmächte

Nachdem die Klage von Veteranen der „Mau Mau Revolution“, die in den 1950er Jahren das koloniale Selbstverständnis Großbritanniens erschütterte, 2012 spektakulären Erfolg hatte und zu einer neuen und intensiven historischen Aufarbeitung führte, vertritt dieselbe Anwaltskanzlei eine neue Klage zahlreicher Staaten der Karibik gegen Großbritannien, Holland und Frankreich wegen der Verbrechen und des Schadens der durch den transatlantischen Sklavenhandel verursacht wurde.

Auch wenn diese Klage tatsächlich weniger erfolgversprechend ist, wie jene der Mau Mau Veteranen, so birgt auch diese Klage das Potenzial zu einer umfassenden historischen und gesellschaftlichen Aufarbeitung.

 

Quelle: http://www.nytimes.com/2013/10/21/world/americas/caribbean-nations-to-seek-reparations-putting-price-on-damage-of-slavery.html

Sehepunkte: Feedback

sehepunkte (Screenshot)
sehepunkte (Screenshot) / http://www.sehepunkte.de/

Die Sehepunkte sind ein monatlich online erscheinendes Rezensionsjournal für geschichtswissenschaftliche Veröffentlichungen. Seit 2001 erscheint das Journal und ich – wie viele Kollegen – habe den Newsletter abonniert und freue mich jeden Monat wieder über das Erscheinen.

Im letzten Newsletter bat das Redaktionsteam nun um Feedback:

In diesem Monat möchten wir Sie alle darüber hinaus aber noch zu einer Stellungnahme einladen: Die sehepunkte erscheinen nun seit über 11 Jahren zwar ausschließlich online, aber im vergleichsweise traditionellen Gewand einer monatlichen Zeitschrift. Angesichts von RSS-Feeds, Blogs und zahlreichen sozialen Netzwerken bzw. Kommunikationskanälen wird diese Publikationsform inzwischen gelegentlich als „überholt“ oder „die Möglichkeiten des Netzes nicht ausreichend nutzend“ klassifiziert. Was halten Sie davon? Sollten die sehepunkte ihre Erscheinungsform beibehalten oder den Journalcharakter tendenziell auflösen? Wir freuen uns über möglichst zahlreiche Wortmeldungen unter: redaktion@sehepunkte.de !

Quelle

Und da ich meine Gedanken nicht nur mit der Redaktion teilen will, folgen an dieser Stelle einige kurz angerissene Ideen.

Zunächst einmal: Endlich! Endlich fragt man die Nutzer des Angebots, wie sie es nutzen und was sie sich in Zukunft wünschen würden. Das ist bereits ein entscheidender Schritt in der Verbesserung des Onlineauftritts. Das ist tatsächlich „die Möglichkeiten des Netzes […] ausnutzen“. Die direkte Kommunikation mit den Nutzern ist ein entscheidender aber viel zu oft unterschätzter Vorteil von Online-Angeboten.

Zur Frage: Ja. Diese Publikationsform als einzige Form zu nutzen, ist absolut und ohne Frage überholt. Es spricht überhaupt nichts dagegen (von internen Prozessen möglicherweise abgesehen) Rezensionen sofort nach ihrer redaktionellen Prüfung online zu stellen. Denn das Eine (ein monatlich erscheinendes Online-Journal und Newsletter) schließt das andere (die sofortige Veröffentlichung) nicht gegenseitig aus. Das ist doch das tolle: Jedem Nutzer seine Nutzungsgewohnheit!

Toll ist aber auch, dass es bereits einen Facebook-Fanpage und einen Twitter-Account der sehepunkte gibt. Unklar bleibt, warum von der Homepage keine Links zu diesen Auftritten gesetzt sind (oder diese so versteckt sind, dass ich sie einfach nicht finden konnte).

Sicher, die Seite könnte durchaus mal wieder überarbeitet werden und das angestaubte Design loswerden, aber sie bleibt inhaltlich eine der besten Seiten für deutschsprachige Historiker im Netz. Die langsame Anpassung an Online-Modi ist absolut wünschenswert und lässt auf die weitere Entwicklung gespannt warten.

Stabi 2.0: Beluga

Beluga
Beluga

Die Möglichkeit über eine gezielte Literatur-Recherche einen Titel aufzufinden und sich anhand der Bücher, die im selben Regal der Bibliothek stehen, neue Themenbereiche zu erschließen, entfällt durch die Umstrukturierung und Effektivierung von Bibliotheken leider immer häufiger.

Der Wegfall von Präsenzbibliotheken sowie die Katalogisierung von Büchern nach Erwerbsdatum und nicht nach inhaltlichen Gesichtspunkten muss daher zu neuen Recherchestrategien führen. Ein Hindernis sind leider nach wie vor altbackene Bibliothekskataloge auf Basis von Software der OCLC.

Denn habe ich ein Werk gezielt (zb. über den Titel oder den Namen des Autors) gefunden und suche dann nach ähnlichen Werken soll beispielsweise die Verschlagwortung und Einordnung der Werke in Sachgebiete helfen – Volltextsuchen gibt es (noch) äußerst selten. Das Problem dabei ist, dass dank der großen Datenmengen und durch die Verschlagwortung bzw. Einordnung in Sachgebiete ein Buch nicht auf ähnlich intuitive Weise verortet werden kann, wie dies durch die räumliche Nähe in einem Bücherregal möglich ist.

Um ein Beispiel zu nennen: Meine Magisterarbeit ist im Katalog der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg 3 Sachgebieten zugeordnet mit 23.509, 6.121, und 1.853 Treffern. Eine Wirkliche Nähe zu ähnlichen Arbeiten lässt sich durch das Durchklicken der Trefferlisten nicht identifizieren, obwohl sie zweifellos existiert.

Diesem Umstand trägt nun ein neuer Dienst der Staats- und Universitätsbibliothek namens „Beluga“ Rechnung:

beluga ermöglicht Ihnen eine nutzerfreundliche Recherche, z.B. durch die Einblendung von Facetten, anhand derer Sie Ihre Suche sinnvoll auf relevante Werke einschränken können. Bei der Entwicklung vonbeluga wurden Studierende und Lehrende mit einbezogen, um Ihnen ein leistungsfähiges Werkzeug an die Hand zu geben.

Erste Stichproben meinerseits sind zwar noch weit von jenem wünschenswerten „virtuellen Bücherregal“ entfernt, aber bereits die Existenz des Projektes sollte positiv stimmen: http://beluga.sub.uni-hamburg.de/vufind/

Historisches Wissen von Jugendlichen

 Später Sieg der Diktaturen? Zeitgeschichtliche Kenntnisse und Urteile von Jugendlichen
„Später Sieg der Diktaturen? Zeitgeschichtliche Kenntnisse und Urteile von Jugendlichen“ von Schroeder, Klaus/Deutz-Schroeder, Monika/Quasten, Rita/Schulze Heuling, Dagmar

So erschreckend einige Ergebnisse der Studie „Später Sieg der Diktaturen? Zeitgeschichtliche Kenntnisse und Urteile von Jugendlichen“ des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin auch sein mögen, sie sollten bei Bildungsträgern vor allem einen Denkzettel hinterlassen. Über das fehlende historische Wissen bei Schülern wird aktuell unter anderem in der Zeit berichtet und ich fürchte bereits die Kommentare, die den Jugendlichen und jungen Erwachsenen unterstellen, desinteressiert und politikverdrossen zu sein.

Auf zweierlei möchte ich im Zusammenhang mit den Studienergebnissen hinweisen:

1. Auf die Bedeutung von Gedenkstättenbesuchen. Hier zeigt die Studie insbesondere wie entscheidend eine Kontextualisierung des jeweiligen Besuchs im Unterricht ist, was leider zu oft vernachlässigt wird. Eine Vorbereitung auf einen Gedenkstättenbesuch ist eine Notwendigkeit, die den Zwängen der Lehrpläne übergeordnet werden muss.

2. Auf die hohe Bedeutung des Mediums Internet zur Aneignung historischen Wissens. Auf die Frage „Woher beziehen Sie Ihr Geschichtswissen überwiegend?“ antworteten 82,2 % der Befragten wenig verblüffender Weise mit „aus dem Schulunterricht“. Etwas abgeschlagen auf dem zweiten Platz folgt mit 36,3 % „aus Gesprächen mit Eltern / Verwandten“. Den dritten Platz belegt mit 34,9 %  „aus dem Internet“. Erst auf den darauffolgenden Plätzen kommen „aus dem Kino / TV“, „aus Büchern“ usw.

Erstaunlich wiederum finde ich, dass aus diesen Ergebnissen nicht der Schluss gezogen wird, dass Angebote zur Aneignung historischen Wissens im Internet unbedingt verstärkt gehören.

Natürlich ist es ein positives Zeichen, dass

der Vermittlung zeitgeschichtlicher Kenntnisse und Zusammenhänge
in der Schule […] bezogen auf die jüngste Vergangenheit eine Ergänzungs- und auch Korrektivfunktion gegenüber Familienerzählungen zu[kommt]

Und selbstverständlich ist der Schulunterricht das wichtigste „Instrument“ der Vermittlung historischen Wissens – auch als Korrektiv zu idealisierenden Familiennarrativen.

Dennoch finde ich die Ignoranz gegenüber dem Internet, das das Potenzial in sich birgt Schüler (um in die Floskelkiste zu greifen) dort abzuholen, wo sie sich aktuell befinden, sehr bedauerlich.

“Geschichte im Internet”

Screenshot "Geschichte im Internet"Habt ihr bei Google schon mal den Suchbegriff “Geschichte im Internet” eingegeben? Noch nicht? Es erscheint auf Platz eine Seite, die eine Linksammlung verspricht und den Titel “Geschichte im Internet” trägt:

Das Verzeichnis „Geschichte im Internet“ wurde Anfang 1995 von Stephanie Marra gegründet. Gegenwärtig befindet sich das Angebot auf dem Webserver der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Dortmund. Es handelt sich um den ältesten geschichtswissenschaftlichen Webkatalog im deutschsprachigen Raum, der bis heute kontinuierlich gepflegt und ausgebaut wird. 2001 erfolgte die Umstellung des Katalogs auf ein datenbankbasierendes Redaktionssystem.

Aha. Vielleicht hätte man sich die Umstellung auf die Datenbank sparen sollen, denn es gibt offensichtlich einen Datenbankfehler. Jeder einzelne externe Link führt zu einem Fehler.

Screenshot "Geschichte im Internet" - Fehlermeldung

Ein treffenderes Beispiel für die stiefmütterliche Behandlung des “WorldWideWebs” durch Universitäten, Behörden und historische Institute kann man sich kaum ausdenken. Da vegetiert also eine gewaltige Linksammlung vermutlich auf dem Stand von 2001 vor sich hin und niemand kümmert sich drum.

Das schlimme daran ist: Irgendwann in gar nicht so ferner Zukunft werden solche Institutionen in übersteigertem Aktionismus versuchen das Onlinevakuum zu füllen in dem sie viel Sinnloses machen und dafür viel Geld ausgeben. Anstatt sich schrittweise den technischen Möglichkeiten und den Bedürfnissen der Nutzer anzupassen.

Docupedia

Docupedia Zeitgeschichte

ist ein Nachschlagewerk zu zentralen Begriffen, Konzepten, Forschungsrichtungen und Methoden der zeithistorischen Forschung. Vorgestellt wird das Spektrum der in der zeithistorischen Forschung behandelten Themen und der damit verbundenen methodischen Fragen und Zugriffe. Dokumentiert werden Debatten, von denen Impulse für Forschungspraxis und Selbstverständnis des Faches ausgegangen sind. Dabei bezieht Docupedia-Zeitgeschichte auch theoretische Ansätze aus benachbarten Disziplinen mit ein.

heißt es in der  Selbstdarstellung der Seite.

Die Seite bietet für viele zeitgeschichtliche Themen einen eleganten Einstieg und fundierte Informationen zu aktuellen Forschungsthemen. Bereits jetzt, 3 Jahre nach dem Launch der Seite, konnten zahlreiche Historiker als Autoren gewonnen werden, so dass sich für Studenten der Geschichte eine echte Alternative zur Wikipedia-Nutzung am Horizont zeigt, das die Anforderungen zitierfähiger Quellen aus dem Internet erfüllt. Docupedia weiterlesen

Die Aufgabe als Historiker, das Unsagbare sichtbar zu machen

Jean-Francois Lyotard (c) Bracha L. Ettinger / CC-BY-SA 2.5 Lizens
Jean-Francois Lyotard (c) Bracha L. Ettinger / CC-BY-SA 2.5 Lizens

Vor 30 Jahren sprach Francois Lyotard als erster in seinem Bericht „Das postmoderne Wissen“[1] vom „Ende der großen Erzählungen“ und prägte damit nicht nur einen Begriff sondern auch eine, noch heute sehr einflussreiche philosophische Denkrichtung.

Mit der „Postmoderne“ wurde der Identitätskrise des Kollektivs in der Zeit nach Auschwitz ein Name gegeben. Gesellschaften, so die Annahme, bedienten sich seit jeher immer wieder der so genannten „großen Erzählungen“ um sich selbst zu legitimieren und den inneren Zusammenhalt durch ihre „gemeinsame Geschichte“ zu formen. Dass diese Geschichte aber kein Abbild der Wirklichkeit sondern gefiltertes „Erzählen“ über„Geschichte“ ist, betont Lyotard in seinem Werk und bringt so den Historiker und seine gesellschaftliche Aufgabe in Bedrängnis. Die Aufgabe als Historiker, das Unsagbare sichtbar zu machen weiterlesen