Großbritannien „entdeckt“ 170.000 Akten

„Surprise, surprise. We’ve heard this before.“ kommentiert Harvard Professorin Caroline Elkins in der VICE den neuesten Fund vermeintlich verschollener Akten des Foreign and Commonwealth Office. Über 600.000 Akten (unter anderem bisher unbekannte Akten über den transatlantischen Sklavenhandel) lagern noch in den „special collections“ des FCO, die der Öffentlichkeit nicht zugängig sind. Damit verstößt das FCO seit Jahren gegen das britische „Public Records“ Gesetz, das den öffentlichen Zugang zu Archivgut regelt. Schon länger besteht unter Historikern der Verdacht, dass das FCO die Akten der „special collections“ wissentlich geheimhält.

 

 

Globalgeschichte im Harvard Magazine

Das Harvard Magazine beschäftigt sich in seiner aktuellen Ausgabe mit den veränderten Perspektiven der Geschichtswissenschaft.

Global history is “the kind of idea that, once you have it, is impossible to go back from,” Beckert continues. “You can’t. It’s going to be with you forever because it’s just a different way of seeing history.” While it opens new questions, it “also opens up totally new understandings of particular historical problems such as the problem of slavery. You understand, on a global scale, that the global problem, from the perspective of European colonialists and European entrepreneurs, is really how to transform the countryside. The resulting transformation takes different forms in different parts of the world, but sometimes it’s also quite similar. After the Civil War, for example, sharecropping becomes dominant in the United States, but it’s also important in Egypt, Mexico, Brazil, and other parts of the world. People in these places learn from one another. They observe one another.”

http://harvardmagazine.com/2014/11/the-new-histories

Words that last – oder doch nicht?

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Screenshot (Quelle: http://www.washingtonpost.com/wp-srv/special/national/words-that-last/)

Vor einigen Tagen ging eine Studie der University of Reading durch die Medien, in der ein Team von Linguisten 23 vermeintlich „ultraconserved words“ ausgemacht haben, die sich seit 15 000 Jahren in diversen Sprachen nahezu unverändert erhalten haben und auf eine gemeinsame Ur-Sprache („proto-Eurasiatic“) zurückgehen würden.

Die dahinterstehende Idee ist faszinierend. Könnte man sich in eine Zeitmaschine setzen und einige Tausend Jahre zurück reisen, so würden die Menschen, auf die man dann in Europa oder Asien träfe folgenden Satz verstehen (der haupstächlich aus diesen „ultraconserverd words“ besteht):

You, hear me! Give this fire to that old man. Pull the black worm off the bark and give it to the mother. And no spitting in the ashes!

Als Nicht-Linguist war ich zunächst von diesem Ergebnis der Studie begeistert. Bis ich (via Sprachlog) auf eine fundierte wissenschaftliche Kritik dieser Studie stieß. Der Bedeutungswandel den einzelne Wörter durchmachen, ist schon innerhalb einer Sprachfamilie und während einer kurzen Zeitperiode enorm. Sehr eindrucksvoll demonstriert die direkte Übersetzung des obigen Satzes ins Russische wie schwer es wäre, mit 15 000 Jahren Unterschied auch nur annähernd zu verstehen worum es ginge:

Vy, uslyshte menja! Dajte etot ogon’ tomu staromu muzhu. Potjanite chjornogo chervja s kory i dajte jego materi. I ne plevat’ v pepel!

Na, verstanden?

Sehr einleuchtend wird die Kritik auch durch die beispielhafte Darstellung der Entwicklung des englischen Worts „man“, das ebenfalls auf der Liste der „ultraconserved words“ steht. Dieses Wort habe innerhalb von ca. 1000 Jahren einen so enormen Bedeutungswandel vom geschlechtsneutralen „Mensch“ bzw. „Person“ im Alt-Englischen zur geschlechtspezifischen „Mann“ im Mittel-Englischen durchlaufen, dass es als schlichtweg falsch erscheine überhaupt von „ultrakonservierten Wörtern“ zu sprechen.

Die linguistische Kritik des Artikels endet nach einer stichhaltigen Beweisführung mit dem Fazit, dass die Suche nach Wörtern, die seit der letzten Eiszeit unverändert geblieben seien, zwar verführerisch, aber letztlich aussichtslos sei.