Stabi 2.0: Beluga

Beluga
Beluga

Die Möglichkeit über eine gezielte Literatur-Recherche einen Titel aufzufinden und sich anhand der Bücher, die im selben Regal der Bibliothek stehen, neue Themenbereiche zu erschließen, entfällt durch die Umstrukturierung und Effektivierung von Bibliotheken leider immer häufiger.

Der Wegfall von Präsenzbibliotheken sowie die Katalogisierung von Büchern nach Erwerbsdatum und nicht nach inhaltlichen Gesichtspunkten muss daher zu neuen Recherchestrategien führen. Ein Hindernis sind leider nach wie vor altbackene Bibliothekskataloge auf Basis von Software der OCLC.

Denn habe ich ein Werk gezielt (zb. über den Titel oder den Namen des Autors) gefunden und suche dann nach ähnlichen Werken soll beispielsweise die Verschlagwortung und Einordnung der Werke in Sachgebiete helfen – Volltextsuchen gibt es (noch) äußerst selten. Das Problem dabei ist, dass dank der großen Datenmengen und durch die Verschlagwortung bzw. Einordnung in Sachgebiete ein Buch nicht auf ähnlich intuitive Weise verortet werden kann, wie dies durch die räumliche Nähe in einem Bücherregal möglich ist.

Um ein Beispiel zu nennen: Meine Magisterarbeit ist im Katalog der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg 3 Sachgebieten zugeordnet mit 23.509, 6.121, und 1.853 Treffern. Eine Wirkliche Nähe zu ähnlichen Arbeiten lässt sich durch das Durchklicken der Trefferlisten nicht identifizieren, obwohl sie zweifellos existiert.

Diesem Umstand trägt nun ein neuer Dienst der Staats- und Universitätsbibliothek namens „Beluga“ Rechnung:

beluga ermöglicht Ihnen eine nutzerfreundliche Recherche, z.B. durch die Einblendung von Facetten, anhand derer Sie Ihre Suche sinnvoll auf relevante Werke einschränken können. Bei der Entwicklung vonbeluga wurden Studierende und Lehrende mit einbezogen, um Ihnen ein leistungsfähiges Werkzeug an die Hand zu geben.

Erste Stichproben meinerseits sind zwar noch weit von jenem wünschenswerten „virtuellen Bücherregal“ entfernt, aber bereits die Existenz des Projektes sollte positiv stimmen: http://beluga.sub.uni-hamburg.de/vufind/

“Geschichte im Internet”

Screenshot "Geschichte im Internet"Habt ihr bei Google schon mal den Suchbegriff “Geschichte im Internet” eingegeben? Noch nicht? Es erscheint auf Platz eine Seite, die eine Linksammlung verspricht und den Titel “Geschichte im Internet” trägt:

Das Verzeichnis „Geschichte im Internet“ wurde Anfang 1995 von Stephanie Marra gegründet. Gegenwärtig befindet sich das Angebot auf dem Webserver der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Dortmund. Es handelt sich um den ältesten geschichtswissenschaftlichen Webkatalog im deutschsprachigen Raum, der bis heute kontinuierlich gepflegt und ausgebaut wird. 2001 erfolgte die Umstellung des Katalogs auf ein datenbankbasierendes Redaktionssystem.

Aha. Vielleicht hätte man sich die Umstellung auf die Datenbank sparen sollen, denn es gibt offensichtlich einen Datenbankfehler. Jeder einzelne externe Link führt zu einem Fehler.

Screenshot "Geschichte im Internet" - Fehlermeldung

Ein treffenderes Beispiel für die stiefmütterliche Behandlung des “WorldWideWebs” durch Universitäten, Behörden und historische Institute kann man sich kaum ausdenken. Da vegetiert also eine gewaltige Linksammlung vermutlich auf dem Stand von 2001 vor sich hin und niemand kümmert sich drum.

Das schlimme daran ist: Irgendwann in gar nicht so ferner Zukunft werden solche Institutionen in übersteigertem Aktionismus versuchen das Onlinevakuum zu füllen in dem sie viel Sinnloses machen und dafür viel Geld ausgeben. Anstatt sich schrittweise den technischen Möglichkeiten und den Bedürfnissen der Nutzer anzupassen.

annefrank.org

Ein Beispiel für eine wirklich gelungene Webseite mit historischem Hintergrund ist die Seite der Anne Frank Stichting: annefrank.org.

Neben praktischen Informationen zum Museum in Amsterdam und weiterführenden Informationen zur Arbeit der Stiftung sind es vor allem die fundierten und gut aufbereiteten Informationen zu Anne Franks Geschichte, die einen überzeugenden Eindruck der Webseite hinterlassen. Hier zeigt sich welche Möglichkeiten Geschichtsvermittlung im Internet hat – und wie sie auf viel zu vielen Seiten ungenutzt bleiben.

Screenshot annefrank.org
Screenshot „Zeitleiste“ auf annefrank.org

Großartig umgesetzt ist beispielsweise die in sieben Sprachen verfügbare Zeitleiste, in der vorbildlich die Geschichte der Familie Frank mit jener Mitteleuropas verbunden wird.
Interaktive Elemente laden dazu ein, auf Entdeckungstour zu gehen und helfen dabei, das bestehende Wissen zu kontextualisieren.

Screenshot annefrank.org
Screenshot „Hinterhaus Online“ auf annefrank.org

Einen ähnlichen Weg, der noch stärker auf die Interaktion mit den Nutzern setzt, ist das Hinterhaus Online. In einem 3D-Modell des rekonstruierten Hauses können die Nutzer die eingerichteten Räume des Verstecks der Familie Frank erkunden. Ein einführendes Video informiert zunächst über die Gründe für die Flucht und das Versteck und dann kann der Weg durch den Bücherschrank direkt in das Haus gewählt werden.

Im Innern können sich die Nutzer frei durch die engen Räume bewegen. Symbole zeigen weitere Informationen an. Kurze Filme sollen den Alltag Annes und ihrer Familie deutlich machen.

Dieser virtuelle Rundgang zeigt, wie gut neue Medien zur Geschichtsvermittlung eingesetzt werden können und ist in diesem Sinne vorbildlich.

Darüber hinaus beweist auch die intuitive Menüführung und das aufgeräumte Design, dass annefrank.org Maßstäbe für die Onlinepräsenz von Museen setzt.

Völlig zurecht gewann die Webseite daher 2010 den Webby Award in der Kategorie “Best Cultural Institution”.

Ein sehr interessanter Teil der Webseite ist die Kategorie Inspiration, in der die Nutzer sich mit den Facebook- und Youtube-Seiten des Museums verbinden, Spenden an das Museum entrichten und auf kreative Art mit ihren Eindrücken umgehen können.

So gibt es die Möglichkeit seinen Gefühlen durch ein Bild oder ein Text Ausdruck zu verleihen oder sich am Anne Frank Baum zu verewigen.

Screenshot annefrank.org
Screenshot „Anne Frank Baum“ auf annefrank.org

Die Geschichte der Familie Frank lädt schon seit der Veröffentlichung des Tagebuchs der Anne Frank Menschen dazu ein, sich mit Verfolgung, Ausgrenzung, Antisemitismus und Faschismus zu beschäftigen. Die Webseite der Anne Frank Stiftung macht auf vorbildliche Weise deutlich, wie das auch mithilfe der neuen Medien funktioniert.

Fazit: Diese Seite setzt Maßstäbe.