Sehepunkte: Feedback

sehepunkte (Screenshot)
sehepunkte (Screenshot) / http://www.sehepunkte.de/

Die Sehepunkte sind ein monatlich online erscheinendes Rezensionsjournal für geschichtswissenschaftliche Veröffentlichungen. Seit 2001 erscheint das Journal und ich – wie viele Kollegen – habe den Newsletter abonniert und freue mich jeden Monat wieder über das Erscheinen.

Im letzten Newsletter bat das Redaktionsteam nun um Feedback:

In diesem Monat möchten wir Sie alle darüber hinaus aber noch zu einer Stellungnahme einladen: Die sehepunkte erscheinen nun seit über 11 Jahren zwar ausschließlich online, aber im vergleichsweise traditionellen Gewand einer monatlichen Zeitschrift. Angesichts von RSS-Feeds, Blogs und zahlreichen sozialen Netzwerken bzw. Kommunikationskanälen wird diese Publikationsform inzwischen gelegentlich als „überholt“ oder „die Möglichkeiten des Netzes nicht ausreichend nutzend“ klassifiziert. Was halten Sie davon? Sollten die sehepunkte ihre Erscheinungsform beibehalten oder den Journalcharakter tendenziell auflösen? Wir freuen uns über möglichst zahlreiche Wortmeldungen unter: redaktion@sehepunkte.de !

Quelle

Und da ich meine Gedanken nicht nur mit der Redaktion teilen will, folgen an dieser Stelle einige kurz angerissene Ideen.

Zunächst einmal: Endlich! Endlich fragt man die Nutzer des Angebots, wie sie es nutzen und was sie sich in Zukunft wünschen würden. Das ist bereits ein entscheidender Schritt in der Verbesserung des Onlineauftritts. Das ist tatsächlich „die Möglichkeiten des Netzes […] ausnutzen“. Die direkte Kommunikation mit den Nutzern ist ein entscheidender aber viel zu oft unterschätzter Vorteil von Online-Angeboten.

Zur Frage: Ja. Diese Publikationsform als einzige Form zu nutzen, ist absolut und ohne Frage überholt. Es spricht überhaupt nichts dagegen (von internen Prozessen möglicherweise abgesehen) Rezensionen sofort nach ihrer redaktionellen Prüfung online zu stellen. Denn das Eine (ein monatlich erscheinendes Online-Journal und Newsletter) schließt das andere (die sofortige Veröffentlichung) nicht gegenseitig aus. Das ist doch das tolle: Jedem Nutzer seine Nutzungsgewohnheit!

Toll ist aber auch, dass es bereits einen Facebook-Fanpage und einen Twitter-Account der sehepunkte gibt. Unklar bleibt, warum von der Homepage keine Links zu diesen Auftritten gesetzt sind (oder diese so versteckt sind, dass ich sie einfach nicht finden konnte).

Sicher, die Seite könnte durchaus mal wieder überarbeitet werden und das angestaubte Design loswerden, aber sie bleibt inhaltlich eine der besten Seiten für deutschsprachige Historiker im Netz. Die langsame Anpassung an Online-Modi ist absolut wünschenswert und lässt auf die weitere Entwicklung gespannt warten.

“Geschichte im Internet”

Screenshot "Geschichte im Internet"Habt ihr bei Google schon mal den Suchbegriff “Geschichte im Internet” eingegeben? Noch nicht? Es erscheint auf Platz eine Seite, die eine Linksammlung verspricht und den Titel “Geschichte im Internet” trägt:

Das Verzeichnis „Geschichte im Internet“ wurde Anfang 1995 von Stephanie Marra gegründet. Gegenwärtig befindet sich das Angebot auf dem Webserver der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Dortmund. Es handelt sich um den ältesten geschichtswissenschaftlichen Webkatalog im deutschsprachigen Raum, der bis heute kontinuierlich gepflegt und ausgebaut wird. 2001 erfolgte die Umstellung des Katalogs auf ein datenbankbasierendes Redaktionssystem.

Aha. Vielleicht hätte man sich die Umstellung auf die Datenbank sparen sollen, denn es gibt offensichtlich einen Datenbankfehler. Jeder einzelne externe Link führt zu einem Fehler.

Screenshot "Geschichte im Internet" - Fehlermeldung

Ein treffenderes Beispiel für die stiefmütterliche Behandlung des “WorldWideWebs” durch Universitäten, Behörden und historische Institute kann man sich kaum ausdenken. Da vegetiert also eine gewaltige Linksammlung vermutlich auf dem Stand von 2001 vor sich hin und niemand kümmert sich drum.

Das schlimme daran ist: Irgendwann in gar nicht so ferner Zukunft werden solche Institutionen in übersteigertem Aktionismus versuchen das Onlinevakuum zu füllen in dem sie viel Sinnloses machen und dafür viel Geld ausgeben. Anstatt sich schrittweise den technischen Möglichkeiten und den Bedürfnissen der Nutzer anzupassen.

Die Aufgabe als Historiker, das Unsagbare sichtbar zu machen

Jean-Francois Lyotard (c) Bracha L. Ettinger / CC-BY-SA 2.5 Lizens
Jean-Francois Lyotard (c) Bracha L. Ettinger / CC-BY-SA 2.5 Lizens

Vor 30 Jahren sprach Francois Lyotard als erster in seinem Bericht „Das postmoderne Wissen“[1] vom „Ende der großen Erzählungen“ und prägte damit nicht nur einen Begriff sondern auch eine, noch heute sehr einflussreiche philosophische Denkrichtung.

Mit der „Postmoderne“ wurde der Identitätskrise des Kollektivs in der Zeit nach Auschwitz ein Name gegeben. Gesellschaften, so die Annahme, bedienten sich seit jeher immer wieder der so genannten „großen Erzählungen“ um sich selbst zu legitimieren und den inneren Zusammenhalt durch ihre „gemeinsame Geschichte“ zu formen. Dass diese Geschichte aber kein Abbild der Wirklichkeit sondern gefiltertes „Erzählen“ über„Geschichte“ ist, betont Lyotard in seinem Werk und bringt so den Historiker und seine gesellschaftliche Aufgabe in Bedrängnis. Die Aufgabe als Historiker, das Unsagbare sichtbar zu machen weiterlesen